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Helles Dachgeschoss mit großem VELUX-Lichtband und VELUX-Sonnenröhre
Wohnen

Mehr Licht unterm Dach: Lösungen für dunkle Räume

Florian HendriksDachdeckermeister & VELUX Partner
14. März 20266 Min. Lesezeit
Kurz: Bei vorhandenem Dachfenster reicht oft ein größeres Folge-Modell oder ein zweites Fenster daneben (Duo/Trio). Bei Räumen ohne Dachzugang: Sonnenröhre/Tageslicht-Spot ab rund 800 €. Großer Lichteinbau (Dachbalkon, Cabrio) ist schön, braucht aber Genehmigung und kostet schnell 5.000+ €. Faustregel: Fensterfläche sollte 10–15 % der Bodenfläche sein.

„Unser Spitzboden ist so finster, da geht keiner gerne hoch.“ Diese Klage höre ich oft. Mal ehrlich: Bei vielen Bremer Häusern aus den 50ern und 60ern wurde das Dachgeschoss als Speicher gebaut — ein einzelnes Mini-Dachfenster pro Seite, mehr nicht. Heute will man da Schlafzimmer, Arbeitszimmer, Gäste­zimmer drin haben. Dann fehlt das Licht. Es gibt drei sinnvolle Wege, mehr Tageslicht reinzubringen. Welcher passt, hängt davon ab, was unter dem Dach passiert — und wie viel man investieren will.

Wie viel Licht braucht ein Raum?

Eine grobe Faustregel aus der Architektur: Fensterfläche sollte etwa 10–15 % der Bodenfläche ausmachen, damit ein Raum „hell genug“ ist. Bei einem 18 m² Schlafzimmer wären das 1,8–2,7 m² Glasfläche. Ein einzelnes VELUX MK06 (78 × 118 cm) bringt 0,72 m² Glasfläche — also etwa ein Drittel des Bedarfs.

Heißt: Wenn Sie ein einzelnes mittleres Dachfenster in einem normalen Schlafzimmer haben, sind Sie strukturell unterversorgt. Das fühlt sich an wie „immer Dämmerlicht“ und ist real auch so. Hier lohnt es sich, das Lichtkonzept zu überdenken.

Lösung 1: Größeres Fenster oder zusätzliches Fenster

Der einfachste und günstigste Hebel. Wenn das alte Fenster ohnehin am Ende ist, tauschen wir nicht 1:1, sondern eine Nummer größer:

  • MK06 → SK06 (78×118 → 114×118 cm): +0,42 m² Glasfläche. Aufpreis pro Fenster rund 250–400 €.
  • MK06 → MK08 (78×118 → 78×140 cm): +0,18 m² Glasfläche. Aufpreis 100–180 €.

Das setzt voraus, dass der Sparrenabstand passt — der Sparrenabstand bestimmt die maximal mögliche Fensterbreite. In den Bremer Reihenhäusern aus den 60er-Jahren liegen die Sparren typisch bei 70–80 cm Achsabstand, was ein MK-Format (78 cm Außenmaß) erlaubt. Bei modernen Häusern oft 100 cm, dann passen auch SK-Formate.

Alternative: Zweites Fenster nebenan. Wenn die Konstruktion es zulässt, einbauen wir zwei Standard-Fenster nebeneinander (VELUX-Marketingname „Lichtlösung Duo“, technisch mit Kombi-Eindeckrahmen EKW Duo) oder drei nebeneinander („Lichtlösung Trio“ mit EKW Trio). Wirkt panoramaartig, bringt deutlich mehr Licht. Material-Aufpreis ein zweites Fenster: ca. 1.000–1.400 €. Aber: Neueinbau heißt Dach öffnen, Sparrenwechsel ggf. nötig — das ist nicht 1:1-Tausch, sondern Bau-Maßnahme. Genehmigung und teilweise Sparrenwechsel können nötig sein.

Lösung 2: Sonnenröhre für Räume ohne Dachzugang

Wenn der Raum nicht direkt unter dem Dach liegt — z.B. ein innenliegendes Bad oder ein Flur — dann hilft kein Dachfenster. Was hilft: eine Sonnenröhre. Das ist ein verspiegeltes Aluminium-Rohr, das Tageslicht vom Dach durch die Geschossdecke in den Raum führt. Oben sitzt eine Dachkuppel, unten eine Lichtkuppel in der Zimmerdecke.

Mein Praxis-Eindruck: Funktioniert besser als gedacht. Eine Sonnenröhre mit 25 cm Durchmesser bringt an einem normalen Tag etwa so viel Licht wie eine 60-Watt-Glühbirne. An hellen Sommertagen mehr. Material kostet 600–900 € (VELUX bietet das als „Sun Tunnel“ TWR oder TWF), Montage durch Dachdecker rund 400–600 €. In Summe also 1.000–1.500 € pro Sonnenröhre.

Sinnvoll vor allem für: innenliegende Bäder, dunkle Flure unter dem Dach, Treppenhäuser, Speisekammern. Nicht sinnvoll für Wohn- oder Schlafzimmer, wenn ein normales Dachfenster möglich ist — das normale Fenster ist im Verhältnis günstiger und bringt mehr Licht.

Lösung 3: Dachbalkon oder Cabrio — wenn Sie's gleich richtig wollen

VELUX-Cabrio (GDL): Aus dem Dachfenster wird per Klappmechanik ein kleiner Balkon — der untere Teil schwingt nach außen wie eine Balkonbrüstung, der obere klappt nach oben. Sieht großartig aus, kostet aber: Material ab ca. 4.500 €, Einbau-Aufwand höher als bei Standard, in Summe 6.000–8.000 € realistisch. Genehmigung der Baubehörde meist nötig (Aufgrund der baulichen Veränderung am Dach).

Lichtgewinn: enorm. Sie haben praktisch eine kleine Fenstertür plus Brüstungsfenster. Für Schlafzimmer, Wohnzimmer im Dachgeschoss eine deutliche Aufwertung — sowohl bei Tageslicht als auch bei Wohngefühl. Für Verkaufswert der Immobilie ein klarer Plus-Punkt.

Mein Praxis-Tipp: Cabrio macht Sinn, wenn Sie ohnehin sanieren und das Dachgeschoss aufwerten wollen. Als reine Hell-Maßnahme ist es deutlich überdimensioniert.

Was sonst noch hilft — kostenlos oder fast

Bevor Sie 1.500 € für eine Sonnenröhre ausgeben, prüfen Sie die Basics:

  • Helle Wandfarbe auf Schräge und Decke. Weiß oder hellbeige reflektiert das Licht im Raum, statt es zu schlucken. Wirkt deutlich heller.
  • Spiegel gegenüber dem Fenster. Banaler Trick, aber real wirksam — verdoppelt subjektiv die Lichtfläche.
  • Helle Möbel, keine dunklen Holzschränke unter der Schräge. Dunkle Möbel saugen das Licht weg.
  • Fenster sauber halten. Klingt komisch, aber Dachfenster sind oft so verkrustet, dass 20–30 % Lichttransmission verloren gehen. Einmal pro Jahr sauber machen lohnt sich.
  • Wenn vorhanden, alten Sonnenschutz prüfen. Innenrollos, die ständig halb runter sind, vergisst man im Alltag. Manchmal hilft schon, sie komplett zu öffnen.

Genehmigung in Bremen — wann brauche ich was?

Für den 1:1-Tausch eines bestehenden Dachfensters: keine Genehmigung, nicht mal Anzeige (außer Sie sind im Denkmalschutzgebiet — Schnoor, Östliche Vorstadt, Buntentor). Eine Vergrößerung (MK auf SK) oder ein zusätzliches Fenster ist je nach Bauordnung NBauO entweder anzeige- oder genehmigungspflichtig. Bei Cabrio und Dachbalkon praktisch immer genehmigungspflichtig. Im Zweifel ein kurzer Anruf beim Bauamt oder einem ortskundigen Architekten — vor der Maßnahme, nicht hinterher.

Bei Mehrfamilien- und Reihenhäusern zusätzlich: WEG-Beschluss notwendig, wenn das Haus eine Eigentümergemeinschaft ist. Ein Fenster im Dach ist eine bauliche Veränderung am Gemeinschaftseigentum — heißt: Mehrheitsbeschluss in der Eigentümerversammlung. Planen Sie 6–10 Wochen Vorlauf.

Was Sie konkret tun können

Wenn Sie unsicher sind, was bei Ihnen sinnvoll ist: Schicken Sie mir zwei Fotos — einmal von außen das Dach mit dem betroffenen Bereich, einmal von innen mit Blick auf das vorhandene Fenster (oder das, wo Sie's gerne hätten). Dazu kurz Maße des Raums und Beschreibung der Nutzung. Ich sage Ihnen telefonisch, welcher der drei Wege (größeres Fenster, Sonnenröhre, Neueinbau) bei Ihrer Konstellation passt — und was es realistisch kostet. Gibt's eh einen Tausch dazu, lesen Sie auch den Pillar-Guide.

Häufig gestellte Fragen

Lohnt sich eine Sonnenröhre im Vergleich zu einem normalen Dachfenster?

Nur wenn ein Dachfenster nicht geht. Sonnenröhre bringt deutlich weniger Licht (1/5 bis 1/3) als ein normales Dachfenster und kostet etwa gleich viel oder mehr (1.000–1.500 € installiert). Wo sie unschlagbar ist: in Räumen ohne direkten Dachzugang — Bad mittig im Haus, Flur, Treppenhaus. Dort ist sie die einzige Möglichkeit für Tageslicht.

Wie viel kostet ein zweites Dachfenster neben dem vorhandenen?

Material allein 850–1.400 € pro Fenster, plus Eindeckrahmen 180 €. Bei Neueinbau braucht's einen Sparrenwechsel oder zumindest Sparren-Auswechslung an der Stelle — das ist ein deutlich größerer Eingriff als ein 1:1-Tausch. Realistisch landen Sie bei 2.000–3.500 € pro neuem Fenster, inklusive Montage. Genehmigungspflicht prüfen vorab.

Welche Fenstergröße passt in mein Reihenhaus?

Hängt vom Sparrenabstand ab. Bei Bremer Reihenhäusern aus den 50ern und 60ern liegt der Achsabstand meist bei 70–80 cm — da passen MK-Formate (Außenbreite 78 cm). Bei moderneren Häusern (ab 1990) oft 100 cm Sparrenabstand, also auch SK-Formate (114 cm Breite). Beim 1:1-Tausch sehe ich die alte Größe auf Ihrem Typenschild — beim Größerwerden müssen wir den Sparrenraum vorher prüfen.

Bringt eine Lichtkuppel oder ein Flachdachfenster mehr Licht?

Bei Flachdach: ja, eindeutig — VELUX-Flachdachfenster (CFP/CVP) bringen mehr Licht pro Quadratmeter ein als Schrägdachfenster, weil sie 360° aufnehmen statt 90°. Bei Schrägdach gilt: Lichtkuppel statt Schrägfenster ist physikalisch und baulich kein Thema, da brauchen Sie das Dachfenster.

Was bringt mehr Licht — heller Anstrich oder zweites Fenster?

Heller Anstrich + Spiegel macht 30–50 % subjektiven Helligkeit-Gewinn aus, kostet 100 €. Zweites Fenster verdoppelt die Lichtmenge real, kostet 2.500 €+. Mein Pro-Tipp: Zuerst die billigen Tricks, dann sehen Sie, ob's reicht. In vielen Fällen ist nach hellem Anstrich + 1–2 Spiegeln das Problem schon halbiert.

Über den Autor: Florian Hendriks

Dachdeckermeister, offizieller VELUX Partner und Geschäftsführer von DachfensterONE. Verheiratet, Vater von zwei Kindern. Sitzt mit dem Betrieb in Syke direkt südlich von Bremen und teilt hier sein Praxiswissen aus vielen Jahren VELUX Dachfenster-Modernisierung.

→ Mehr über Florian und das Team

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