
Smarte Dachfenster: Regen- & Windsensor erklärt
Das klassische Szenario: Sie sind morgens raus, das Schlafzimmer-Dachfenster ist gekippt zum Lüften — und mittags zieht ein Schauer auf. Wenn Sie zu Hause sind, schließen Sie eben das Fenster. Wenn nicht, kommt das Wasser rein und die Dielen unter dem Fenster werden weich. Diesen Fall sehe ich bei mir auf der Reparatur-Liste etwa zehn Mal im Jahr, immer mit einem teuren Folgeschaden im Innenraum. Genau dafür ist der Regensensor da. Ob sich das technisch und finanziell für Sie lohnt — darum geht's hier.
Was der Regensensor wirklich macht
VELUX-Elektrofenster (offiziell: GGU INTEGRA Elektro oder GGU INTEGRA Solar — der Größencode wie MK06 oder SK06 ist davon unabhängig; GGU = Kunststoff-Variante, was bei INTEGRA Standard ist) haben oben am Rahmen einen Regensensor. Das ist ein winziger Leitfähigkeits-Sensor, der bei den ersten Tropfen Wasser auslöst und den eingebauten Motor signalisiert, dass das Fenster zumachen soll. Reaktionszeit: ca. 60 Sekunden vom ersten Tropfen bis vollständig geschlossen.
Das wirkt schon bei leichtem Nieselregen. Bei richtigem Starkregen schließt das Fenster, bevor relevante Wassermengen ins Zimmer kommen. In meiner eigenen Praxis (ich habe das im eigenen Haus seit 3 Jahren): Funktioniert zuverlässig, hat noch nie versagt. Einmal war's irritierend — Vogel hat sich auf den Sensor gesetzt, Fenster ging zu. Ist aber selten.
Windsensor: was der zusätzlich bringt
VELUX hat in den neueren INTEGRA-Modellen einen Wind-Schwellwert mit integriert. Bei einer Bö über etwa 13 m/s (Beaufort 6, „starker Wind“) schließt das Fenster auch ohne Regen. Hintergrund: Wind reißt offene Fenster schon mal aus den Beschlägen, vor allem bei Schwingfenstern, die weit aufstehen. Bei flacher Dachneigung und exponierter Lage (Vegesack, Lesum, Norddeich-Richtung) ist das ein echter Vorteil.
Bei den meisten Bremer Stadtlagen ist der Windsensor eher Nice-to-have als zwingend nötig. An der Küste, im Umland mit freiem Feldzugang oder bei sehr flachen Dächern ist er Pflicht.
Was VELUX ACTIVE zusätzlich kann
ACTIVE ist die Smart-Home-Brücke zwischen INTEGRA-Fenstern, Rollläden und einer App. Was es konkret tut:
- Misst Raumklima (Temperatur, Luftfeuchtigkeit, CO₂-Konzentration) über einen kleinen Sensor in Steckdose oder am Schreibtisch.
- Lüftet automatisch: Wenn der CO₂-Gehalt über 1000 ppm steigt, öffnet das Fenster für 5–15 Minuten. Funktioniert besonders gut im Schlafzimmer nachts (gegen morgendliches dickes Luftgefühl) und im Homeoffice.
- Schließt Rollläden bei Hitze, wenn die Raumtemperatur steigt — präventiver Hitzeschutz, bevor Sie überhaupt im Zimmer sind.
- App-Steuerung auf dem Handy: Fenster öffnen, Status prüfen, Zeitpläne setzen.
ACTIVE kostet als Starter-Set ca. 250–300 €, dazu pro Fenster ein io-homecontrol-fähiger Motor (steckt in INTEGRA standardmäßig drin). Wer drei oder mehr INTEGRA-Fenster hat, holt sich mit ACTIVE einen sehr nutzbaren Wohnkomfort-Gewinn.
Was es kostet — konkret
Stand Frühjahr 2026, pro Fenster, inklusive Montage:
- Standard GGU manuell (Vergleichsbasis): ca. 1.450 € all-in (kleines Reihenhaus-Format MK06).
- GGU INTEGRA Elektro (230 V): Aufpreis +600–800 € → ca. 2.050–2.250 € all-in.
- GGU INTEGRA Solar (kein Elektriker nötig): Aufpreis +650–850 € → ca. 2.100–2.300 € all-in. Empfehlenswert bei Nachrüstung, weil ohne Wandaufstemmen.
- Plus ACTIVE-Starter-Set (VELUX ACTIVE with NETATMO, KIX 300): einmalig 250–300 € fürs ganze Haus.
- Nachrüstung manueller VELUX (Baujahre ca. 1986–2013) mit Solar-Motorisierung KSX 100: ca. 350 € pro Fenster. Kein Regensensor, aber per Funkfernbedienung steuerbar.
Heißt: Wer ohnehin tauscht, sollte sich überlegen, ob er beim Schlafzimmer- oder Wohnzimmer-Fenster gleich INTEGRA-Solar nimmt. Im Paket ist der Aufpreis erträglich. Reine Nachrüstung lohnt sich finanziell selten — dann doch lieber beim nächsten Tausch.
Für wen sich das lohnt (und für wen nicht)
Lohnt sich klar für:
- Berufstätige, die tagsüber außer Haus sind und gerne ein Fenster auf Kipp lassen.
- Haushalte mit Kindern, bei denen mehrere Fenster im Dachgeschoss offen sind.
- Dachfenster, die schwer erreichbar sind (über Treppen mit Galerie, hohe Decken, Senior-Haushalt).
- Schlafräume, bei denen CO₂-Lüftung morgens den Unterschied macht.
Lohnt sich eher nicht für:
- Wenig genutzte Räume (Gästezimmer, Speicher) — bringt im Alltag keinen Mehrwert.
- Haushalte, die nie länger als 2–3 Stunden außer Haus sind.
- Wer Smart Home generell ablehnt und nicht per App steuern will — kann INTEGRA auch nur via Wandfernbedienung nutzen, aber dann fehlt der entscheidende Komfort-Hebel.
Stromausfall und Akkulebensdauer
Eine berechtigte Frage, die ich oft höre: Was passiert bei Stromausfall? Bei 230 V-INTEGRA ist das Fenster im offenen Zustand „eingefroren“ — schließt aber nicht selbst. Bei Solar-Variante übernimmt der eingebaute Akku, der Sensor schließt das Fenster auch ohne Netzstrom. Der Akku hält normalerweise 2–3 Tage ohne Solarladung durch.
Akku-Lebensdauer Solar-Variante: 8–10 Jahre. Akkutausch danach ca. 60 € Material + 30 min Arbeit. Bei richtig genutzten Solar-Fenstern habe ich das nach 7 Jahren ein erstes Mal gebraucht. Bei wenig genutzten (Gästezimmer-Fenstern) hält der Akku länger — bei viel genutzten (Schlafzimmer mit täglicher Automatik-Bewegung) eher 8 Jahre.
Was Sie konkret tun können
Wenn Sie überlegen, ob INTEGRA für Ihr Haus Sinn macht: Sagen Sie mir, in welchem Raum es um was geht (Schlafzimmer? Wohnzimmer? Wie oft sind Sie tagsüber daheim?). Ich gebe Ihnen eine ehrliche Empfehlung, ob die Investition sich für Sie lohnt — oder ob die manuelle Variante reicht. Mehr Hintergrund zum smarten VELUX-System im Wiki: VELUX INTEGRA — das smarte Dachfenster. Wer ohnehin tauscht, lese den Pillar-Guide zum Dachfenstertausch.