g-Wert bei Dachfenstern: Sonnenenergie-Durchlass verstehen
Auf einen Blick
Der g-Wert beschreibt, wieviel Sonnenenergie durchs Glas dringt. Optimal für Süddach: niedriger g-Wert + Hitzeschutzmarkise. Praxis aus Syke.
- Was ist der g-Wert?
- g-Werte typischer Dachfenster-Verglasungen
- Welcher g-Wert passt zu welcher Dachausrichtung?
Der g-Wert (Gesamtenergiedurchlassgrad) gibt an, welcher Anteil der einfallenden Sonnenenergie als Wärme im Raum landet — als Dezimalzahl zwischen 0 und 1. Ein g-Wert von 0,52 bedeutet: 52 % der Sonnenstrahlung dringen durch. Bei Sonnenschutzgläsern liegt er bei 0,42, bei Standard-3-fach-Verglasung bei 0,52, bei alter 2-fach-Verglasung um die 0,62.
Was ist der g-Wert?
Der g-Wert wird auch Solar Heat Gain Coefficient (SHGC) genannt und nach DIN EN 410 gemessen. Er beschreibt zwei Komponenten:
- Direkt durchgelassene Sonnenstrahlung (was als Licht und Infrarot durchs Glas kommt)
- Sekundäre Wärmeabgabe (das Glas erwärmt sich, gibt Wärme nach innen ab)
Wichtig: Der g-Wert ist doppeldeutig. Im Winter ist hoher g-Wert gut (kostenlose Sonnenwärme), im Sommer schlecht (Hitzestau). Im Idealfall hat Glas im Winter g = 0,7 und im Sommer g = 0,2 — gibt's nicht. Du musst dich entscheiden, was wichtiger ist.
g-Werte typischer Dachfenster-Verglasungen
Die zweistellige Endung des Glas-Codes auf dem VELUX-Typenschild verrät die Verglasungs-Art. --66 ist heutiger Standard, --68/--69 sind die Codes mit Hitzeschutz-/Anti-Sun-Beschichtung (reduzierter g-Wert). Achtung Abgrenzung: der Code --62 ist kein Sonnenschutz-Code, sondern bezeichnet 3-fach ENERGIE-Schallschutz und hat keinen besonders reduzierten g-Wert.
Welcher g-Wert passt zu welcher Dachausrichtung?
Auf reinem Süddach in Stadtlage immer g ≤ 0,5 plus Hitzeschutzmarkise vorsehen — das Glas allein reicht nicht. Eine außen montierte Markise (VELUX MHL/MML) reduziert den effektiven Wärmeeintrag um weitere 76 % (laut VELUX-Datenblatt), weil die Sonne abgefangen wird, bevor sie das Glas erwärmt. Innen-Rollos bringen dagegen kaum was: Die Wärme ist dann schon im Raum, das Rollo wird selbst zum Heizkörper.
Wechselwirkung mit dem U-Wert
U-Wert und g-Wert hängen zusammen: Je niedriger der g-Wert, desto mehr Beschichtungsschichten im Glas, was tendenziell auch den U-Wert verbessert (= weniger Wärmeverlust). Aber: Niedriger g-Wert bedeutet auch weniger kostenlose Solarwärme im Winter.
Rechenbeispiel: Bei einem 1,2 m² großen Dachfenster auf Süddach in Hannover bringt 0,1 mehr g-Wert über das Heizjahr ca. 30–40 kWh Heizenergie. Das sind 4–6 € Heizkosten — entspricht über 25 Jahre Lebensdauer also rund 100–150 €. Marginal verglichen mit dem Sommer-Komfort.
In der Praxis: Sommer-Komfort schlägt Winter-Solargewinn, sobald das Fenster in den Wohnraum strahlt (Schlafzimmer, Wohnzimmer). In Lagerräumen oder Norddächern gilt das umgekehrt.
Was viele übersehen: Lichtdurchlass τv
Der Lichtdurchlässigkeitsgrad τv (gesprochen „Tau-v“) wird oft mit dem g-Wert verwechselt. τv beschreibt, wie viel sichtbares Licht durchkommt — beim Standard-3-fach 71 %, bei Premium-Sonnenschutz nur noch 55 %. Sonnenschutz-Glas wird also spürbar dunkler.
Das ist bei Dachfenstern kritisch, weil sie meist als Tageslichtquelle dienen. Wer auf Süddach Premium-Sonnenschutz verbaut, hat im Winter merkbar weniger Licht im Raum. Daher: Bei Wohnräumen mit Tageslicht-Anspruch lieber Standard-3-fach (g = 0,52, τv = 71 %) und außen Markise — als Premium-Sonnenschutz ohne Markise.
Praxis-Empfehlung
Mein Standard-Vorschlag bei Beratung:
- Norddach: Standard 3-fach (--66), keine Extras nötig.
- Ost-/Westdach: Standard 3-fach (--66) plus innen Rollo oder Plissee.
- Süddach Wohnraum: Standard 3-fach (--66) plus außen Hitzeschutzmarkise (MHL).
- Süddach Schlafzimmer: Sonnenschutz 3-fach (--68 oder --69) plus außen Rollladen (SSL Solar oder SML elektrisch).
Premium-Sonnenschutz-Glas (--68/--69 mit Anti-Sun-Beschichtung) empfehle ich nur in Sonderfällen, z. B. wenn baulich kein außen montierter Sonnenschutz möglich ist. Nicht zu verwechseln mit --62, das ist Schallschutz-Glas.