Schallschutz Dachfenster: Rw-Werte und was sie wert sind
Auf einen Blick
Der Rw-Wert sagt, wie viele Dezibel ein Fenster schluckt. Ein VELUX mit 2-fach-Verglasung liegt laut Datenblatt bei 35 dB, 3-fach ENERGIE bei 37 bis 38 dB, das Schallschutzpaket --62 bei 42 dB.
- +10 dB werden als doppelt so laut empfunden — +3 dB kaum
- Der Rw-Wert gilt für das ganze Fenster, nicht nur für das Glas
- Schallschutzklassen stammen aus einer zurückgezogenen Richtlinie
- Häufigste echte Schwachstelle: die Anschlussfuge, nicht die Scheibe
Wer an einer Hauptstraße oder in Bahnnähe wohnt, kennt das: Das Dachgeschoss ist der lauteste Raum im Haus. Das liegt nicht nur am Fenster — ein geneigtes Dach hat weniger Masse als eine Ziegelwand, und der Schall kommt von oben, wo keine Nachbarbebauung ihn abschirmt.
Trotzdem ist das Fenster der Punkt, an dem sich am meisten machen lässt. Nur nicht immer dort, wo man es zuerst vermutet.
Was der Rw-Wert beschreibt
Der Rw-Wert — das bewertete Schalldämm-Maß — wird im Labor nach DIN EN ISO 717-1 bestimmt und in Dezibel angegeben. Je höher, desto mehr Luftschall hält das Bauteil zurück.
Zwei Dinge werden dabei regelmäßig missverstanden. Erstens: Der Wert bezieht sich auf das gesamte Fenster aus Glas, Rahmen und Dichtungsebene — nicht auf die Verglasung allein. Ein Datenblatt, das nur den Rw des Glaspakets nennt, beschreibt nicht Ihr eingebautes Fenster. Zweitens: Der Laborwert setzt einen fachgerechten, dichten Anschluss voraus. Dazu weiter unten mehr.
Die dB-Faustregeln, die tatsächlich stimmen
- 3 dB entsprechen einer Halbierung beziehungsweise Verdopplung der Schallenergie. Das ist physikalisch viel — hörbar ist es kaum.
- 10 dB werden subjektiv als doppelt so laut empfunden, 10 dB weniger entsprechend als halb so laut.
Die verbreitete Aussage „3 dB gleich halb so laut“ ist falsch und führt zu Enttäuschungen. Wer von 35 auf 37 dB geht, hat die durchgelassene Schallenergie halbiert — und wird beim ersten Öffnen der Rechnung denken, es habe sich nichts getan. Spürbar wird es erst, wenn Sie sich in Richtung 42 dB bewegen.
Rw-Werte der VELUX-Glaspakete
| Glascode | Aufbau | Rw | Uw | Foerderfaehig (Uw ≤ 1,0) |
|---|---|---|---|---|
| --70 | 2-fach THERMO | 35 dB | 1,3 | nein |
| --84 | 3-fach Verglasung 84 (meistverkauft) | 35 dB | 1,0 | ja |
| --66 | 3-fach ENERGIE PLUS | 37 dB | 1,0 | ja |
| --67 | 3-fach ENERGIE Waermedaemmung | 38 dB | 0,83 | ja |
| --69 | 3-fach ENERGIE Hitzeschutz | 35 dB | 1,1 | <strong>nein</strong> — laut Datenblatt ueber 1,0 |
| <strong>--62</strong> | <strong>3-fach ENERGIE Schallschutz</strong> | <strong>42 dB</strong> | 0,92 | ja |
Den Code lesen Sie an den letzten beiden Ziffern der Modellnummer auf dem Typenschild ab — wie das geht, steht in Typenschild und Fenstercode.
Der interessante Sprung liegt zwischen --66 und --62: rund sieben Dezibel Unterschied zum 2-fach-Bestand, also etwa halb so laut empfunden. Beide erfüllen die Förderanforderung Uw 1,0. Wenn Sie ohnehin tauschen und Lärm ein Thema ist, ist das der Aufpreis, der sich am ehesten lohnt. Was das im Alltag bedeutet und wann sich das Schallschutzpaket wirklich rechnet, haben wir in Mehr Ruhe unterm Dach aufgeschrieben.
Die Werte stammen aus dem offiziellen VELUX-Datenblatt zum GGU. Sie weichen von manchen Haendlerangaben ab — im Zweifel gilt das Datenblatt zum konkreten Paket.
Schallschutzklassen — mit Vorsicht zu genießen
Im Handel begegnen Ihnen „Schallschutzklasse 3“ oder „SSK 4“. Diese Einteilung stammt aus der VDI-Richtlinie 2719. Der VDI führt sie inzwischen als zurückgezogen — sie ist also keine geltende Regel mehr, sondern eine Branchenkonvention, die sich gehalten hat.
Die Klassen sind in 5-dB-Schritten aufgebaut: Klasse 4 umfasst 40 bis 44 dB, Klasse 5 die Werte 45 bis 49 dB, Klasse 6 alles ab 50 dB. Nach unten setzt sich das Raster entsprechend fort.
Verbindlich ist heute die DIN 4109 (Schallschutz im Hochbau). Sie geht einen anderen Weg: Sie ordnet dem Gebäude einen Lärmpegelbereich nach dem maßgeblichen Außengeräuschpegel zu und leitet daraus ab, welches Schalldämm-Maß das gesamte Außenbauteil erreichen muss — Dach, Wand und Fenster zusammen, gewichtet nach Flächenanteil.
Was das praktisch heißt: Ein einzelnes Fenster mit hoher Klasse rettet Sie nicht, wenn die Dachfläche daneben dünn gedämmt ist. Wenn es um einen rechnerischen Nachweis geht — etwa im Bebauungsplan an einer Bahnstrecke — gehört das in die Hände eines Bauphysikers, nicht auf einen Produktvergleich im Onlineshop.
Woher der Lärm wirklich kommt
Aus unserer Erfahrung: In einem großen Teil der Fälle kommt der Lärm nicht durch das Glas, sondern durch die Anschlussfuge zwischen Blendrahmen und Sparren. Wenn dort die Dämmung nur lose gestopft wurde oder die Folienanschlüsse nicht sauber sitzen, bleibt ein Luftweg — und Luftwege leiten Schall hervorragend.
Der Test dafür ist banal: Halten Sie bei geschlossenem Fenster die Hand rundum in die Laibung. Wo es zieht, kommt auch Schall durch. Ein Premium-Glaspaket bringt Ihnen an so einem Fenster acht Dezibel auf der Scheibe — und die Fuge bleibt, wie sie ist.
Deshalb unsere Reihenfolge: erst den Anschluss ordentlich machen lassen (BFX-Folie ringsum, Mineralwolle satt und ohne Hohlräume, BBX innen luftdicht), dann beurteilen, wie laut es noch ist. Oft reicht danach der Standard-Rw von 37 dB, weil vorher schlicht die Fuge undicht war. Wie ein sauberer Anschluss aussieht, steht in Eindeckrahmen richtig anschließen — und falls Sie ohnehin Zugluft oder Feuchte am Fenster haben, hilft reparieren oder austauschen bei der Einordnung.
Wer wirklich an der Bahnstrecke wohnt, kombiniert: Schallschutzverglasung --62, sauber ausgeführter Anschluss und ein außenliegender Rollladen, der geschlossen noch einmal etwas bringt. Viel mehr ist an einem Dachfenster baulich nicht drin.
Was Schallschutz nicht kann
Zwei Erwartungen sollten Sie gleich korrigieren.
Tieffrequenter Lärm bleibt. Bass aus der Nachbarschaft, LKW-Motoren, das Rumpeln eines Güterzugs — diese Anteile werden vom Rw-Wert nur begrenzt erfasst, weil die Bewertungskurve die mittleren und hohen Frequenzen stärker gewichtet. Gegen tiefe Frequenzen hilft Masse, und Masse ist im Dach knapp.
Der Wert gilt nur bei geschlossenem Fenster. Bei gekipptem Flügel oder geöffneter Lüftungsklappe ist der Rw-Wert bedeutungslos. Wer in lauter Lage nachts Frischluft braucht, kommt um eine mechanische Lösung nicht herum — Dauerkippen ist keine.
Häufig gestellte Fragen
Welcher Rw-Wert reicht in einer normalen Wohnstraße?
In ruhiger Wohnlage genügen die 3-fach-ENERGIE-Pakete --66 und --67 mit 37 beziehungsweise 38 dB. Das Schallschutzpaket --62 mit 42 dB lohnt sich an Hauptstraßen, Bahnstrecken und in Einflugschneisen.
Stimmt es, dass 3 dB halb so laut bedeuten?
Nein. 3 dB entsprechen einer Halbierung der Schallenergie, sind aber kaum hörbar. Als halb so laut empfunden wird erst eine Reduktion um etwa 10 dB.
Gelten die Schallschutzklassen 1 bis 6 noch?
Formal nicht — die zugrunde liegende VDI-Richtlinie 2719 ist zurückgezogen. Im Handel wird die Einteilung weiter verwendet. Verbindlich ist heute die DIN 4109, die vom Lärmpegelbereich des Standorts auf das erforderliche Schalldämm-Maß des gesamten Außenbauteils schließt.
Lässt sich Schallschutz nachträglich am alten Fenster verbessern?
Am Glas nicht — das Glaspaket ist bei älteren Fenstern in der Regel nicht gegen ein besseres tauschbar. Sinnvoll ist stattdessen, den Anschluss zu prüfen: Eine undichte Fuge kostet mehr Dezibel, als ein Premium-Glas bringt.
Bringt ein Rollladen zusätzlichen Schallschutz?
Geschlossen bringt ein außenliegender Rollladen einen spürbaren, aber begrenzten Zusatzeffekt. Als alleinige Maßnahme gegen Verkehrslärm reicht er nicht — tagsüber will man ihn ja offen haben.
Ist Schallschutz-Verglasung BAFA-förderfähig?
Ja. Der Code --62 erreicht laut VELUX-Datenblatt Uw 0,92 und erfüllt damit die Anforderung der BEG EM für Dachflächenfenster (höchstens 1,0). 2-fach-Pakete mit Uw 1,3 dagegen nicht.