VSG, ESG, PVG: Sicherheitsglas für Dachfenster
Auf einen Blick
VSG, ESG, PVG — welche Sicherheitsverglasung bei Dachfenstern Pflicht ist und wann welche sinnvoll. DIN 18008 in der Praxis vom Dachdecker.
- Die drei Glas-Typen im Überblick
- DIN 18008: Was ist Pflicht?
- VELUX-Verglasungs-Codes für Sicherheit
Bei Dachfenstern ist Sicherheitsverglasung nach DIN 18008 vorgeschrieben — außen ESG (Einscheibensicherheitsglas) gegen Hagel und Aufprall von oben, innen Floatglas oder VSG (Verbundsicherheitsglas) gegen herabfallende Glassplitter im Bruchfall. PVG (Polycarbonat-Verbundglas) ist eine Premium-Variante mit Einbruchverzögerung. Welche Variante du brauchst, hängt davon ab, was unter dem Fenster ist: Aufenthaltsbereich oder nicht.
Die drei Glas-Typen im Überblick
ESG (Einscheibensicherheitsglas):
- Eine einzelne Glasscheibe, thermisch vorgespannt
- Bei Bruch zerfällt es in stumpfe Krümel (keine scharfen Splitter)
- Etwa 5× bruchfester als normales Floatglas
- Bei Dachfenstern Pflicht außen (DIN 18008-2)
VSG (Verbundsicherheitsglas):
- Zwei Glasscheiben, durch eine reißfeste PVB-Folie verklebt
- Bei Bruch splittert nicht — die Folie hält die Scherben fest
- Bietet zusätzlich Schallschutz und UV-Schutz
- Bei Dachfenstern als Innenscheibe über Aufenthaltsbereichen vorgeschrieben
PVG (Polycarbonat-Verbundglas):
- Glas-Polycarbonat-Verbund, deutlich stoßfester als VSG
- Einbruchwiderstandsklasse RC2 erreichbar
- Premium-Variante, ca. 3× teurer als VSG
- VELUX verbaut PVG nicht in einem dedizierten Standard-Code; PVG-Aufbau ist als Sonderkonfiguration gegen Aufpreis bestellbar.
DIN 18008: Was ist Pflicht?
Die DIN 18008-2 regelt die bauliche Sicherheit von Verglasungen. Für überkopfverglasungen (= Dachfenster, Wintergärten, Glasdächer) gilt:
„Aufenthaltsbereich“ heißt: Räume, in denen sich Personen regelmäßig länger als kurzzeitig aufhalten — Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche, Esszimmer, Kinderzimmer. Nicht dazu zählen: Treppenhäuser, Flure, Abstellräume, Heizungskeller. Dort ist VSG-Innen NICHT vorgeschrieben.
Wichtig: VELUX 3-fach-ENERGIE-Codes (--66/--67/--62/--68/--69) für den deutschen Markt enthalten VSG-Innen serienmäßig. Bei 2-fach THERMO (--70) ist innen Floatglas — daher nicht über Aufenthaltsbereichen einsetzbar.
VELUX-Verglasungs-Codes für Sicherheit
Den Code findest du auf dem Typenschild. Der Aufpreis von --66 auf --67 (= VSG-Innen) liegt bei VELUX bei rund 80–100 € pro Fenster. Bei mir geht das standardmäßig ins Angebot, wenn ich weiß, dass darunter ein Aufenthaltsbereich ist.
Praxis: lohnt sich VSG-Innen freiwillig?
Auch wenn baurechtlich nur Floatglas-Innen reicht: Beim Austausch lasse ich VSG-Innen mitanbieten. Kostet ca. 80 € extra pro Fenster, schützt aber 25 Jahre vor Glassplittern bei:
- Hagel — wenn ein Hagelkorn die Außenscheibe knackt, kann sich der Schaden auf die Innenscheibe übertragen.
- Spielzeug — Kinder werfen tatsächlich Sachen ans Dachfenster. Kennen wir.
- Möbel-Transport — beim Schreiner-Hochheben knallt mal was gegen die Innenseite.
- Glasbruch durch Spannungsriss — selten, aber bei alten Fenstern in der Sonne durchaus.
Bei 4 Fenstern macht das 320 € Aufpreis. Verglichen mit dem Risiko, dass dir Glasscherben in der Nacht ins Bett oder beim Frühstück auf den Tisch fallen, ist das ein No-Brainer.
Wann PVG (Polycarbonat-Verbund) sinnvoll ist
PVG (in der VELUX --60-Linie) ist deutlich teurer (200–300 € Aufpreis pro Fenster) und nur in Sonderfällen empfehlenswert:
- Erdgeschoss-Dachfenster in Bungalows oder Anbauten — die sind theoretisch erreichbar und einbruchgefährdet.
- Niedrige Dächer mit ebenerdigem Anbau-Dach — wenn der Einbrecher von der Garage aufs Dach klettern kann.
- Versicherungsauflagen — manche Hausrat-Versicherer fordern bei niedrigen Dachfenstern RC2-Verglasung.
Im Standardfall (Dachfenster im 1. OG oder höher, schräges Pfannendach, schwer zu erreichen) ist PVG Overkill. Da reicht VSG-Innen (--67) absolut.